Falling
Ich habe wohl nicht aufgepasst und war unaufmerksam, plötzlich merkte ich, wie sich der Boden unter mir ins Nichts verwandelte. Ich fiel, ich fiel einfach so nach unten weg, bis mein Fall in einem dunklen kalten Raum zu Ende war. Ich schaute nach oben und dort konnte ich Licht sehen, den hellen Bereich, aus dem ich heraus gefallen war. Es erschien mir endlos weit bis dorthin und ich war froh, das ich mich bei dem Sturz nicht verletzt hatte.
Jetzt schaute ich mich einmal dort um, wo ich gelandet war. In dem dämmerigen Licht konnte ich Gestalten erkennen, Gestalten die leblos erschienen. Sie schauten mich zwar an, aber es war keine Bewegung in ihren Gesichtern oder ihren Augen zu erkennen. „Hallo, was macht ihr denn hier?“ fragte ich, „könnt ihr mich sehen, oder schlaft ihr mit offenen Augen?“ Es kam keine Antwort, keine Regung war zu spüren, nichts.
Mir fiel ein, dass der Vogel mir von einem Platz erzählt hatte, wo die erstarrten Seelen und die versteinerten Herzen sich aufhalten. Ob das wohl dieser Platz war? Von hier gibt es keine Wiederkehr? Das wollte ich nicht akzeptieren.
„Redet mit mir, verdammt noch mal, redet doch einfach mit mir“, schrie ich diese leblosen Gestalten an. „So erstarrt könnt ihr doch gar nicht sein, dass ihr mich nicht bemerkt.“ Ich ging einen Schritt auf diese Wesen zu, Tränen des Zorn liefen mir aus den Augen. „Ich habe Angst, verdammt noch mal, eine schreckliche fürchterliche Angst. Sie nimmt mir fast den Atem weil sie mich im Würgegriff hat, aber so leblos, so tot wie ihr, will ich niemals sein, hört ihr mich, niemals.“
Wütend wischte ich mir die Tränen aus den Augen und sprach weiter, „ich habe da einen Feind in mir, einen schrecklichen Feind, der mit Waffen bekämpft werden muss, denn von alleine wird er nicht verschwinden. Diese Waffen treiben ihn langsam zum Rückzug, aber sie verletzen auch mich. Vielleicht so sehr, dass ich sie strecken muss, diese Waffen. Der Feind wird sich die Hände reiben, er wird sich aufplustern und mit hämischem Grinsen seine Stärke zeigen. Auslachen wird er mich, weil ich es gewagt habe gegen ihn anzutreten“.
Erschöpft setzte ich mich hin, ich fühlte mich auf einmal kraftlos und ausgelaugt, diese Gestalten zeigten noch immer keine Regung und ich wusste nicht einmal, ob sie mich überhaupt gehört hatten. „Wisst ihr“, sprach ich leise weiter, ich wünsche mir auch manchmal nichts mehr zu fühlen, aber man kann nur entweder nichts oder alles fühlen. Wenn ich also nicht Angst und Schmerz fühlen kann, dann kann ich auch keine Liebe fühlen, keine Sehnsucht, kein Verlangen und auch keine Freude. Und das will ich nicht, weil meine Gefühle sind das, was ich bin. Das bin einfach Ich“.
Ich schaute noch einmal auf die erstarrten Gestalten, „wenn ich euch so ansehe, lebende Tote seit ihr, ohne jedes Gefühl, ohne jede Empfindung. Hier möchte ich nicht bleiben“. Ich lief in die Mitte des Gewölbes und schaute nach oben zum Licht.
„Ich will hier raaaaaaaaaaaaaaaaus“, schrie ich so laut ich konnte. Oben konnte ich den Kopf des Vogels erkennen, der zu mir herunter sah. „Ich hole dich“, sagt er, denn dort gehörst du nicht hin.
Auf seinen breiten bunten Schwingen trug er mich nach oben in meine Höhle, nach oben zurück ins Licht.